
November 2011
Wolfgang Mitterer
Comic-Opera für Bariton, 4 Sänger, Schlagwerk, Kontrabaß und Elektronik
Musik: Wolfgang Mitterer
Libretto: Ferdinand Schmatz nach einer Szenerie von Gerhard Dienstbier
URAUFFÜHRUNG
Künstlerisches Konzept, Video und Inszenierung: Franc Aleu
Kostüme, Maske: Chu Uroz
Mit: Andreas Jankowitsch (Baron Münchhausen), Sarah Demichiel, Anna Maria Pammer, Martin Mairinger und Gernot Heinrich
Vorstellungen Rabenhof-Theater Wien:
17.11.2011: 20:00 Uhr Premiere
23.11.2011: 20:00 Uhr
24.11.2011: 10:00 und 20:00 Uhr
Eine Produktion der Wiener Taschenoper. Koproduziert von Wien Modern, Rabenhof-Theater, Musica festival international des musiques d’aujourd’hui de Strasbourg und Laeiszhalle Elbphilharmonie Hamburg.
Mit Unterstützung von Hausbetreuung Attensam, Vasko+Partner Ingenieure sowie TPA Horwath Wirtschaftstreuhand, Privat Bank AG der Raiffeisenlandesbank OÖ, Erste Bank, und Rechtsanwälte Pflaum Karlberger Wiener Opetnik.

Die Lügengeschichten des Baron Münchhausen, ein Klassiker der Europäischen Literatur, als Comic (Strip) Opera: Ein „Superheld“, musikalisch gewandet von Wolfgang Mitterer in bekannt-provokantem Sample-Mix aus Klassik, Wolfsgeheul, Kriegslärm, ächzende Schiffsmasten, Wind, Wetter, Feuer, Wasser, u.v.m. und in Szene gesetzt von Franc Aleu, Videokünstler aus Barcelona, der jüngst mit seinen Videoarbeiten u.a. an „Ring“ (Valencia) und „Tannhäuser“ (La Scala) international für Furore sorgte. Mit dieser Produktion fühlt die Wiener Taschenoper den Puls der Zeit und unterstreicht einmal mehr ihren Ruf als einer der konzeptuell innovativsten Opernproduzenten Wiens.
BARON MÜNCHHAUSEN
Der Lügenbaron, Karl Friedrich Hieronymus, Freiherr von Münchhausen, gemeiniglich bekannt als Baron Münchausen, Deutscher Adeliger und weltberühmter Erzähler von Lügengeschichten, ist eine historisch verbürgte Figur. In seiner Jugend diente er als Page von Anton Ulrich II. von Brunswick-Wolfenbüttel, dem geheimen Prinzgemahl der russischen Zarin. Anton Ulrich sollte sich in der russischen Aristokratie bewähren, weilte bereits in Sankt Petersburg und diente im Militär. Münchhausen reiste im Dezember 1737 nach Russland, wo er im Februar 1738 ankam. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist er noch im gleichen Monat seinem Herrn in den Russisch-Österreichischen Türkenkrieg (1736-1739) gefolgt. Einige der ihm zugeschriebenen Lügengeschichten beruhen auf diesen kriegerischen Auseinandersetzungen. Von seinem Freund, dem baltischen Landadligen Georg Gustav von Dunten, wurde er wiederholt auf dessen Landgut nahe dem damals livländischen, jetzt lettischen Ort Ruthern (Dunte) eingeladen, wo beide der Entenjagd nachgingen. In einer Schenke der Stadt soll sich Münchhausen erstmals als Geschichtenerzähler betätigt haben. Die dem Baron zugeschriebenen Erzählungen gehören in die Tradition der Lügengeschichten, die weit in die Literatur des klassischen Altertums (Lukian von Samosata: Vera historia), das talmudische Judentum und das frühe orientalische Erzählgut zurückreicht und von den humanistischen Fazetien- und Schwank-Sammlungen des 15. und 16. Jahrhunderts in Deutschland fortgeführt wurde. Obwohl man nur von vier Lügengeschichten mit Sicherheit weiß, dass Münchhausen sie tatsächlich erzählt hat, werden dem Baron von den verschiedenen Autoren insgesamt weit über hundert zugeschrieben. Zu den bekanntesten zählen unter anderen: Der Ritt auf der Kanonenkugel; Die Reise zum Mond; Münchhausen holt sein am Kirchturm gebundenes Pferd mit einem Schuß aus seinem Gewehr wieder auf die Erde zurück; Münchhausen zieht sein hinuntergefallenes Messer an seinem gefrorenen Harnstrahl wieder zu sich auf den Baum hinauf; u.v.a.
"Mitterer, dem bei Wien Modern (...) ein Schwerpunkt gewidmet ist, hat seine hochenergetischen, nervös attackierenden, elektronischen Ideen eingesetzt, um eine markant gefärbte Klangwelt (auch mit Clubbingbeats, Barockzitaten) zu installieren." (derStandard)
"Ferdinand Schmatz stellt in seinem sprachverspielten, etliche Lacher provozierenden Libretto das Verhältnis von Wahrheit und Lüge ins Zentrum und montiert deshalb lustvoll allerlei Plattitüden von Werbeslogan ('Wisch und weg') über die Wittgenstein-Verballhornung 'Die Welt ist alles, was im Stall ist' bis zum Karl-Kraus-Zitat in die knappen Dialoge, die die Abenteuer des Baron nachvollziehbar machen: 'Bumsti!'" (Die Presse)
"Der vielseitige Künstler Franc Aleu, der wiederholt mit La Fura dels Baus zusammengearbeitet hat, trug mit seiner Inszenierung wesentlich zum einheiligen Erfolg bei: Sowohl Rückwand als auch ein Portalschleier dienen als Projektionsfläche für Computeranimationen, die stilistisch zwischen Comics, Science-Fiction-Trash und elaborierter Game-Ästhetik schwanken und in ihrer Ungreifbarkeit doch eine poetische Wirkung ausüben, wenn die Protagonisten mit ihnen zu interagieren scheinen." (Die Presse)